AktuellesGesundheitsministerin Monika Bachmann startet gemeinsam mit Kassenärztlicher Vereinigung, Ärztekammer und Apothekerkammer Antibiotika-Kampagne – Antibiotika bewusst einsetzen und richtig einnehmen
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Montag, 17. Oktober 2016

Die Einführung von Antibiotika zählt zu den bedeutendsten Fortschritten der Medizin im 20. Jahrhundert. Mit Antibiotika können bakteriell verursachte Infektionskrankheiten wirksam behandelt werden.
Doch eine fehlerhafte Anwendung trägt dazu bei, dass bakterielle Erreger gegen Antibiotika resistent werden, d. h. die Bakterien werden widerstandsfähig. Bei einer Infektion bleibt dann das Antibiotikum, gegen das der Erreger resistent ist, wirkungslos.

„Vor diesem Hintergrund haben wir uns als Gesundheitsministerium zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland, der Ärztekammer des Saarlandes und der Apothekerkammer des Saarlandes entschlossen eine Antibiotika-Kampagne ins Leben zu rufen, um für die richtige Einnahme sowie den bewussten Einsatz zu werben“, so Monika Bachmann. „Wir haben dazu eine Antibiotika-Broschüre "Antibiotika, mit Sinn und Verstand einsetzen" aufgelegt, die bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ausgelegt wird.“

Bakterielle Krankheitserreger, die gegenüber Antibiotika weniger empfindlich oder sogar völlig resistent geworden sind, nehmen weltweit zu und werden zur Herausforderung für die Versorgung von Patientinnen und Patienten.

Durch einen unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika, werden Patientinnen und Patienten, insbesondere auch Kinder, unerwünschten Risiken und Nebenwirkungen ausgesetzt. Neben Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Darmproblemen, entstehen auch Resistenzen gegen Antibiotika. Auch die Einnahmepraxis durch Patientinnen und Patienten muss sich ändern. Ca. die Hälfte der Deutschen weiß nicht, dass Antibiotika nicht gegen Viren helfen, sondern nur gegen Bakterien. Außerdem nehmen Patientinnen und Patienten die Mittel oft falsch oder nicht lange genug ein. Auch das muss sich ändern.

Monika Bachmann: „Als Gesundheitsministerin werbe ich daher für einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika, um Resistenzen zu vermeiden. Ärztinnen und Ärzte, aber auch Patientinnen und Patienten können zu einem kontrollierten und gewissenhaften Umgang mit Antibiotika beitragen. Auch die Verschreibungspraxis muss sich ändern, das Antibiotikum muss zielgenauer verschrieben werden.“

Dr. med. Joachim Meiser, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland erklärt: „Leichte bakterielle Infektionen verlaufen häufig sogar asymptomatisch, also ohne erkennbare Beschwerden. Mit leichten bakteriellen Infektionen wird die natürliche körpereigene Abwehr in der Regel selbst fertig. Eine mittelschwere bis schwere bakterielle Infektion geht meist mit starkem Krankheitsgefühl und hohem Fieber einher. In solchen Fällen ist ein Arztbesuch dringend erforderlich.

Der Arzt muss nun entscheiden, ob die Ursache der Infektion Bakterien oder Viren sind. Antibiotika dürfen nur bei bakteriellen Infektionen gegeben werden, sie sind gegen Viren und Pilze völlig unwirksam. Deshalb wird der behandelnde Arzt nicht bei jeder Infektion Antibiotika verordnen. Darüber aufzuklären und für einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika zu werben, halten wir daher – gerade in der kommenden kalten Jahreszeit, in der Infektionen gehäuft auftreten können – für sehr wichtig.“

Sanitäts-Rat Dr. med. Eckart Rolshoven, Vorstandsmitglied der Ärztekammer des Saarlandes, ergänzt: „Antibiotika sind ein elementarer Bestandsteil der modernen Hochleistungsmedizin. Deshalb arbeitet die saarländische Ärzteschaft mit Nachdruck am Ziel, Antibiotika richtig und umsichtig einzusetzen. So sind seit 2008 die Verschreibungszahlen im Land deutlich gesenkt worden. Weitere wichtige Ansätze sind das MRSA-Netzwerk und der interdisziplinäre Austausch mit den tierärztlichen Kollegen im Saarland.“

„Seit Mitte des letzten Jahrhunderts haben sich Antibiotika als wirksame Waffe gegen bakterielle Infektionskrankheiten aller Art bewährt. Unzählige Leben konnten durch sie gerettet werden und viele Beschwerden wurden und werden geheilt. Unsere vornehmste Aufgabe ist dafür zu Sorge zu tragen, dass diese Wirksamkeit auch in Zukunft sichergestellt wird. Der sorglose Umgang in der Anwendung und damit einhergehende Resistenzen müssen verhindert werden. Dieser sorglose Umgang betrifft insbesondere auch die Tiermast“, betont Manfred Saar, der Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes. „Parallel dazu müssen wir uns aber auch für eine intensivere Forschung auf dem Gebiet der Neuentwicklung von Antibiotika einsetzen. Nur so haben wir Gewissheit, dass auch in Zukunft bakterielle Infektionskrankheiten wirksam bekämpft werden können.“