AktuellesBundes-Naturschutzprojekt an der Saar wird Realität
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Dienstag, 11. Februar 2014

Im Rathaus der Gemeinde Schiffweiler unterzeichnete Dr. Armin König, derzeitiger Verbandsvorsteher der „Landschaft der Industriekultur Nord“ (LIK.Nord), am 27. Januar 2014 den Kaufvertrag für 30 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen mit der RAG Montan Immobilien. Damit kann der Zweckverband LIK.Nord mit der Realisierungsphase des Naturschutzgroßvorhabens beginnen.

„Wir bringen unsere Flächen im Projektgebiet für den Zweckverband LIK.Nord ein und leisten dann einen wesentlichen Betrag zur Umsetzung des Projektes“, betonte Martin Strauß, Leiter Immobilienmanagement der RAG Montan Immobilien GmbH. Für die Maßnahmenumsetzung benötigt LIK.Nord rund 260 Hektar Fläche, die im Eigentum der RAG stehen. Diese werden in den nächsten Jahren in mehreren Teilpaketen von der RAG Montan Immobilien an den Zweckverband veräußert.

Wie in Städten und industriell geprägten Regionen Naturschutzgroßprojekte realisiert werden können, ist bis heute nur wenig bekannt. Dazu rief aber das Bundesumwelt- und Landwirtschaftsministerium mit seinem Bundeswettbewerb „Idee.Natur – Naturschutzgroßprojekte und ländliche Entwicklung“ auf. Der Wettbewerbsbeitrag „Landschaft der Industriekultur Nord“ wurde in einer für Naturschutzprojekte bisher einmaligen Geschlossenheit von mehr als 30 Verbänden, Vereinen und Institutionen konzipiert und sehr engagiert bis zum Gewinn der Kategorie „Urbane, industrielle Landschaften“ begleitet. Der Grundgedanke war hierbei, das kulturhistorische Erbe aus dem Bergbau und der Stahlindustrie, das sich in der Prägung des Landschaftsraumes widerspiegelt, zu erhalten, weiter zu entwickeln und für kommende Generationen erlebbar zu machen.

„Die Gemeinde Schiffweiler ist aus dem Bergbau heraus entstanden, deshalb war es für uns ein Muss, dem Zweckverband LIK.Nord beizutreten und dort das vorhandene Potential mit einzubringen“, erklärte Markus Fuchs Bürgermeister der Gemeinde Schiffweiler. Im Projekt „Landschaft der Industriekultur Nord“ haben sich die Kommunen Neunkirchen, Schiffweiler, Merchweiler, Friedrichsthal, Quierschied , Illingen und der Landkreis Neunkirchen sowie die Industriekultur Saar (iks) zusammengeschlossen, um eine zukunftsfähige Entwicklung der altindustriellen und vom Bergbau geprägten Landschaft mit Unterstützung des von Bund und Land geförderten Naturschutzgroßprojektes zu gestalten.

Zunächst war da nur ein Ideenkonzept, das beim Bundeswettbewerb „Idee.Natur – Naturschutzgroßprojekte und ländliche Entwicklung“ eingereicht wurde. Als dann der mit knapp 12 Millionen Euro dotierte Gewinn (10 Millionen Euro vom Bund und 1,9 Millionen Euro vom Land) an LIK.Nord verbindlich vergeben wurde, konnte aus der Vision Wirklichkeit werden. Im Vordergrund stehen dabei Maßnahmen im Bereich des Landschaftslabors „Neuerfindung der Bergmannskuh“ . Früher hatte fast jeder Bergmann eine Ziege als Ersatz für eine Milchkuh. Diese historische Tatsache war dann Namensgeber für das geplante Versuchsprojekt.

Die ehemals vom Bergbau geprägten Landschaften sollen nicht nur aufgewertet werden, sondern auch die Wohn- und Lebensqualität der Menschen in der Region soll verbessert und der Erholungs- und Erlebniswert gesteigert werden. Eine extensive Bewirtschaftung der Flächen soll die Artenvielfalt erhalten bzw. wieder herstellen. Auch eine touristische Nutzung ist angedacht, beispielsweise mit Wander- und Fahrradwegen. Agrotourismus wird favorisiert.

Das Projekt ist beispielhaft für eine naturschutzgerechte Sanierung und Aufwertung industrieller Landschaften. Nach der Planungsphase geht es in diesem Jahr in die Umsetzung, wofür insgesamt rund 14 Millionen Euro bereit stehen. Für die praktische Umsetzung sind 12 Jahre veranschlagt. Wie der Geschäftsführer von LIK.Nord, Detlef Reinhard, berichtete, gehören zu den ausgewiesenen Flächen „alte Industriestandorte, Bergehalden oder Absinkweiher, die gefahrenrechtlich nicht so leicht zu handhaben sind, wie ein Acker“. Zu den ersten Maßnahmen gehört der Neunkircher Hüttenpark, dessen besonderer Schmetterlingsbestand gefährdet ist. In der Gemeinde Schiffweiler wird derzeit mit Landwirten verhandelt, um sie von einer extensiven Bewirtschaftung zu überzeugen. Wie Reinhard informierte, wolle man sich großflächig von artenarmen Ackerbauflächen verabschieden. Ebenso gehöre die Renaturierung von zwei Gewässersystemen in der Gemeinde Schiffweiler genauso in die Projektarbeit wie die Wiederherstellung von Auwäldern. Auch wolle man für die Erhaltung alter Haustierrassen Flächen zur Verfügung stellen.

 

Anette Hämmerling
Abt. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Gemeinde Schiffweiler
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